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Security News

Vom 21.09.1999

USA erlauben Kryptografie-Export

Bisher durfte höchstens ein 56-Bit-Schlüssel ins Ausland exportiert werden

Die US-Regierung hat sich dem Druck der High-Tech-Industrie gebeugt und den Export selbst der stärksten Software zur Verschlüsselung von Daten freigegeben. Ausgeschlossen sind nur Iran, Irak, Libyen, Syrien, Sudan, Nordkorea und Kuba.

Die US-Regierung hat ausserdem 80 Millionen Dollar für die kommenden vier Jahre beantragt, damit die Bundespolizei FBI ihre Möglichkeiten zur Entschlüsselung der Nachrichten von Kriminellen und Terroristen verbessern kann.

Zugute kommt die Exportfreigabe sicher den Verbrauchern, die ihre Daten oder auch Überweisungen im Internet verschlüsseln wollen. Die Entscheidung der Regierung in Washington hilft aber vor allem den US-Firmen im Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz. Bislang mussten sie eigentlich immer zwei Produkte entwickeln, eines für den heimischen Markt und eines höchstens mit einer 56-Bit-Verschlüsselung, die für den Export bestimmt war. Zur Begründung für diese Grenze hieß es, sonst könnten auch Verbrecher und Terroristen von den stärkeren Verschlüsselungen profitieren und diese bei der Übermittlung ihrer Nachrichten nutzen.

Kritiker in den USA hatten aber schon darauf hingewiesen, dass es im Ausland inzwischen mehr als 800 Produkte mit einer stärkeren als der von der US-Regierung erlaubten Verschlüsselung gibt. Auch würden Terroristen und Verbrecher, die ihre Nachrichten verschlüsseln wollten, sich wohl kaum auf die Exportversionen der US-Software beschränken. Ob das FBI schon jetzt in der Lage ist, die Verschlüsselungen zu überwinden, wollte Justizministerin Janet Reno nicht sagen. Die Möglichkeiten der Behörde sollen aber auf jeden Fall verbessert werden.

Mit Material von: CT


Vom 04.09.1999

Hat US-Geheimdienst NSA Hintertür für Windows?

Im Rahmen einer detaillierte Untersuchung des Betriebssystem Windows NT durch einen amerikanischen Sicherheitssoftware-Entwickler konnte eine massive Software-Hintertür, die offenbar auf den US-Geheimdienst NSA zurückgeht, in den Betriebssystemen Windows 95, 98, NT sowie Windows 2000 (beta) entdeckt werden, schreibt der Chaos Computer Club in einer Pressemittelung.

Daraus entstehen nachhaltige Auswirkungen, da Microsoft weltweit eingesetzt wird und somit von der NSA (National Security Agency) beispielsweise auch zur Wirtschaftspionage gegen Deutschland eingesetzt werden kann.
Die von Microsoft für Programmierer zur Verfügung gestellte Anwendungsschnittstelle für Verschlüsselungsfunktionen, die sog. "Crypto API" ist gegen das Einspielen und Verändern von Verschlüsselungsmodulen im Betriebssystem normalerweise geschützt. Externe Programmierer oder Unternehmen, die Verschlüsselungsfunktionen für die Microsoft-Betriebssysteme zur Verfügung stellen, müssen diese Module zunächst von Microsoft signieren lassen, bevor sie in der Crypto API verfügbar sind.

Bei der Integration von externen Verschlüsselungsmodulen werden diese von der Crypto API auf die entsprechende korrekte Signatur mit einem Microsoft-RSA Key geprüft. Zum Zwecke dieser Prüfung befindet sich der Microsoft RSA Public Key im entsprechenden Modul neben einem weiteren, bislang nicht identifizierten RSA Public Key. Durch die versehentliche Herausgabe einer noch mit Debug-Symbolen versehenen Version des Prüfmoduls (in Windows NT4, SP5) konnte jetzt der zweite RSA Key als offensichtlich dem amerikanischen Geheimdienst NSA (National Security Agency) zugehörig identifiziert werden; er wird im Programm mit als "NSAKEY" bezeichnet.
Aufbauend auf dieser Erkenntnis muss man es als unmöglich bezeichnen, auf der Microsoft Crypto API aufbauend wirklich sichere Verschlüsselung zu betreiben. Denn durch Signierung von der NSA produzierter unsicherer Verschlüsselungsfunktionen ist es möglich, eigentlich sichere Verschlüsselungsmodule zu überspielen.

Für den Anwender bedeutet dies, dass er sich nicht auf die Sicherheit etwaiger Softwareprodukte verlassen kann, selbst wenn diese durch öffentliche Tests und Dokumentation für sicher befunden wurden; denn diese können längst durch manipulierte Versionen der NSA ersetzt worden sein.

"Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden durch derartige Hintertüren in amerikanischen Softwareprodukten ist kaum abschätzbar. Es kann einfach nicht angehen, dass die deutsche Bundesregierung auf der einen Seite autonome Verschlüsselung fördert, auf der anderen Seite sich selbst auf derartig unsichere Betriebssysteme verlässt" kommertiert CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn den Vorfall; "selbst in sensiblen Bereichen des Bundestages und der Regierung wird Windows eingesetzt".

Club-Sprecher Frank Rieger forderte in dem Zusammenhang eine europäische Open-Source Software-Initiative für Sicherheits-Software ohne Hintertüren.
Die Erkenntnisse des amerikanischen Hintertür-Entdeckers gehen sogar noch weiter; auch Angriffsmöglichkeiten durch Ersetzung des NSA-Keys mit einem beliebigen anderen sind vom ihm beschrieben.

Quelle: Golem Network News

Letzte Bearbeitung am 02.08.02