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12.5 Fallstricke mit Kernel Optionen für LINUX 2.0 und 2.2

Die Vielzahl von Adaptern und möglichen Kernel-Einstellungen sind für Anfänger nicht nur verwirrend, sondern können auch die Firewall völlig unsicher machen. Hier eine Diskussion der Probleme bei einigen Kernel - Einstellungen:

  • Fast Switching Ein Problem beim Tuning von LINUX sind die sogenannten Jumbo Frames oder Large Frames, die mit einer MTU > 9000 Bytes arbeiten. Es gibt im Kernel von LINUX 2.0 und 2.2 eine Option zusammen mit dem Einsatz von Myrinet, DEC, 3COM GIGABIT Adapter, die es erlaubt, diese sogenannten Jumbo-Pakete direkt über den PCI-BUS von Adapter zu Adapter weiterzuleiten. Diese Option wird im Kernel von LINUX 2.0 oder 2.2 "fast switching" genannt und verhindert, daß der Kernel bzw. die Firewall - Routinen überhaupt angesprochen werden. Das bringt natürlich einen erheblichen Gewinn an Geschwindigkeit. Pakete mit kleiner MTU (< 1500) werden hingegen in jedem Falle gefiltert, Jumbo Frames in Abhängigkeit der Kernel - Einstellungen nicht. Das steht zwar nirgendwo in der Dokumentation von LINUX, aber im Quellcode (Ich habe lange danach gesucht, warum Jumbo Frames nicht gefiltert werden....).

  • Ein weiteres Problem betrifft Kernel 2.2 und die Option IP: advanced router. Hier kann versehentlich die Option rp_filter für Spoofing - Detection abgeschaltet werden (z.B. mit sysctrl). Dieses sollte man erst gar nicht zulassen, indem man diese Option abschaltet und den Kernel neu kompiliert.

  • Die Option optimize as router not host bei den Kerneln 2.0 und 2.2 sollte unbedingt ausgeschaltet werden, da hierbei wichtige Prüfsummen - Checks auf IP-Ebene sonst entfallen. Dies ist insbesondere bei Einsatz von IPFWADM und IPCHAINS zwar mit kleinen Geschwindigkeitseinbußen verbunden, verhindert aber eine Vielzahl von möglichen Angriffen. Ohne Überprüfung der IP-Checksumme können Angreifer geziel Pakete konstruieren, die Server hinter der Firewall mit einem DoS Angriff belegen.

  • IP: large routing tables muß aktiviert werden, wenn man mehr als 64 Routing-Einträge verwalten muß.

  • IP: verbose route monitoring Übergibt ausführliche Routing Informationen an den SYSLOGD.

  • IP: policy routing ermöglicht das Routing nicht anhand der Ziel-Adresse, sondern auch anhand der Quelladresse. Dies ermöglicht es, Pakete für einzelne Hosts getrennt zu routen, und diese eventuell speziell zu filtern.

  • ARPD support kann ausgeschaltet bleiben, es sei denn, man muß in großen Netzwerken den ARPD einsetzen, da der Kernel nur eine bestimmte Anzahl von Adressen behält. Diese Option beschleunigt LINUX, wenn viele Clients auf den Server/Router/Firewall zugreifen, da nicht jedesmal ein ARP Broadcast für eine vergessen Hardwareadresse ausgesandt wird. Auch die Netzwerklast wird durch den Einsatz des ARPD geringer. Das macht sich insbesondere beim Einsatz von Netzwerkkarten mit zu kleinem ARP Cache bemerkbar.

  • GRE tunnels over IP (Kernel 2.2) erlauben das Tunneln von IPv6 CISCO Router Informationen über IPv4. Da diese Pakete (IPv6 oder IPv4) nicht gefiltert werden können, ist entweder die Option auszuschalten, oder man muß IPSec Protokolle einsetzen.

  • GRE broadcast over IP erlaubt es, CISCO Broadcast Protokolle über LINUX Router hinweg zu transportieren. Mit aktivierten GRE Einstellungen kann man mit LINUX Unternehmen vernetzen, und dafür sorgen, daß alle CISCO Router weiterhin untereinander kommunizieren können, z.B. für die Überwachung einer Security Policy unternehmensweit.

  • IP: tunneling erlaubt nach dem SUN Standard IPoverIP Pakete zu versenden. Damit kann man über eine ISDN Standleitung Netzwerke miteinander verbinden.

  • Multicast Routing ist eine interessante Einstellung. Wenn die Pakete zulassen werden, können IP-Pakete an Hosts im Netzwerk adressiert werden, indem diese in Multicast Pakete verpackt werden. Diese Pakete werde teilweise schon in den Netzwerkkarten mit voller Hardwareunterstützung geroutet (DEC, SMC, HP, WAVELAN). Diese Option sollte entweder ausgeschaltet werden, oder sie erfordert den Einsatz einer zweiten Firewall im Intranet, welche Multicast Pakete unterbindet, jedoch die in der ersten Firewall entpackten IP-Pakete (Video/Musik) zu den Hosts im Intranet weiterleitet und überprüft. Auch dies ist ein Grund, warum gute Firewall - Konstruktionen immer aus zwei Firewalls bestehen müssen. Wer nur eine Firewall einsetzt, der sollte Multicasting unter allen Umständen ausschalten, da ansonsten Angreifer mit IPoverIP Paketen zu Servern hinter der Firewall durchdringen können.

  • Die Option IP: equal cost multipath erlaubt es, für Subnetze getrennte Routen einzutragen. Damit könnte es Probleme bei SOURCE ROUTED PAKETS geben. Abschalten.

  • IP: verbose route monitoring unbedingt anschalten. Man erhält wertvolle Informationen über das Routing (nur wenn man mehrere Netzwerkkarten (>2) betreibt, natürlich)

  • Die Option IP:firewall packet netlink device dient dazu, die Statusinformationen beim Einsatz von IPCHAINS auszulesen, um z.B. counter intelligence Maßnahmen zu ergreifen. Siehe hierzu auch den entsprechenden Abschnitt bei der SINUS Firewall. Diese Option kann auch dazu verwendet werden, Pakete für bestimmte Netze an ein Device zu übergeben, wo sie z.B. verschlüsselt oder gefiltert werden können. Auch als Monitor ist diese Option verwendbar, z.B. mit TCPDUMP. Abschalten.

  • IP: Always defragment ist obligatorisch immer einzuschalten, da ansonsten Angriffe mit Fragment-Offsets drohen. Auch Masquerading funktioniert nicht ohne diese Option.

  • IP: Transparent PROXY ist soweit ok, sofern nicht spezielle Protokolle, wie z.B. FTP, SSL-3 oder Real-Video eingesetzt werden. Diese funktionieren natürlich nicht. Siehe Abschnitt über Protokolle.

  • IP: Masquerading wird unweigerlich mit der Option IP: fast network address translation kollidieren. NAT ist eine Adaption von N:M Hosts, Masquerading eine Adaption von 1:M Hosts. Da Masquerading mehr spezielle Protokolle unterstützt, sollte man Masquerading gegenüber NAT bevorzugen.

  • IP: FAST NETWORK ADDRES TRANSLATION ermöglicht es, M interne Hosts auf N externen Hosts abzubilden. Hierbei ist M<=N. Es erfolgt eine automatische Übersetzung von IP-Adressen. Diese Option schützt vor nichts, kann aber ganz praktisch sein, weil man nicht alle Clients umkonfigurieren muß, wenn man z.B. verschiedene Netzwerke (auch das Internet) über eine Standleitung anbindet.

  • IP: ICMP masquerading unterstützt masquerading für ICMP Protokolle, wie z.B. PING. Abschalten, insbsondere beim Einsatz von LINUX als ISDN Router, da ansonsten LINUX häufiger als nötig die Verbindung aufbaut.

  • IP: ipautofw masquerade support erlaubt masquerading für Protokolle, wie z.B. PPTP, für die es keine offizielle Unterstützung gibt. Abschalten.

  • IP: ipportfw masquerade support erlaubt allgemein das forwarding von Paketen über Netzwerkkarten hinweg. Abschalten.

  • IP: ipmarkfw masquerade support erlaubt das forwarding von Paketen mit Masquerading z.B. auch für Subnetze. Hierzu muß die Option IP: use FWMARK aktiviert sein. Abschalten.

  • IP: Kernel level autoconfiguration sollte ausgeschaltet werden, da ansonsten jemand von außerhalb die ARP-Tabellen einsehen kann. (Etwas tricky, aber es geht)

  • Syn cookies sollte man ausschalten, zumal diese einen Angriff nur dann verhindern, wenn der Angreifer mit LINUX und aktivierten SYN Cookies arbeitet. Ansonsten sind diese für DoS anfällig.

  • IP: Drop source routed frames sollte obligatorisch eingeschaltet sein.

  • Allow large windows erlaubt einen DoS Angriff in schnellen Netzwerken (größer nx100 MBit), ansonsten ist dagegen nichts zu sagen, die Performance wird erhöht.

  • Bridging sollte unbedingt ausgeschaltet werden, da ansonsten die Pakete nicht mehr gefiltert werden.

  • Forwarding between high speed interfaces ist ähnlich dem fast switching, allerdings mit Kontrolle über Bandbreiten. Diese Option sollte vorsichtshalber ausgeschaltet bleiben, da noch keine Erfahrungen vorliegen. Das Problem mit Jumbo Frames ist hier kritisch.

  • IP: use TOS ist eine Option, die es erlaubt, dynamisch Bandbreiten in Anhängigkeit des Protokolls zu regeln und z.B. das Routing dementsprechend anzupassen. Dies birgt immer die Gefahr, daß asymmetrische Routen auftauchen, welche in Firewalls zu Fehlermeldungen führen können. Ansonsten ist hiergegen nichts einzuwenden, besonders nicht, wenn man nur mit 2 Netzwerkadaptern arbeitet. (2 sind immer gut, 3 ist immer einer zuviel)

  • LOADABLE Module Support ist immer auszuschalten, da eventuell jemand z.B. einen buffer overflow Attack im Appletalk Treiber entdecken könnte. Dann bräuchte er nur ein Appletalk Paket an die Firewall zu senden, diese würde den Treiber dynamisch laden - den Rest kann man sich denken.

  • Bei schnellen GIGABIT Netzwerk-Adaptern besteht immer das Problem von Windows Oversize/Large Windows. Man sollte hier entsprechend vorsichtig sein.

  • socket filtering ermöglicht es Usern, eigene Filter zu starten....Ausschalten.


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